Transkribus im Bildungswesen

Transkribus hat seit seinen Gründungstagen an der Universität Innsbruck einen langen Weg zurückgelegt und ist bis heute eng mit dem Bildungssektor verbunden.

Als KI-gestütztes Texterkennungstool freut sich Transkribus darauf, mit der nächsten Generation von Forschern zusammenzuarbeiten, indem es historische Dokumente besser zugänglich macht. Transkribus hilft dabei, Forschungsprojekte effizienter zu gestalten und bietet verschiedene Funktionen zum Erlernen des Lesens und Transkribierens von Manuskripten. Auf diese Weise hilft Transkribus Lehrern, zukünftige Forscher zu engagieren und Studenten, ihre Dokumente leichter zu transkribieren.

In diesem Artikel gehen wir zunächst auf die Vorteile von Transkribus im Bildungsbereich ein und betrachten dann, wie Transkribus im Unterricht und beim Lernen eingesetzt werden kann, um die Arbeit mit historischen Dokumenten einfacher und spannender zu gestalten. In diesem Artikel geht es auch darum, wie Schüler die Plattform nutzen und wie Transkribus Ihnen als Lehrer oder Schüler bei Forschungsprojekten helfen kann.

Wie wird Transkribus im Bildungswesen eingesetzt?

Transkribus arbeitet mit Universitäten, Bibliotheken und Archiven zusammen, um historische und handschriftliche Dokumente zu digitalisieren und zu bewahren. Durch die Speicherung dieser Dokumente in einem digitalen Format werden sie in durchsuchbare Dateien umgewandelt, so dass sie für Studenten und Lehrkräfte leichter zugänglich, lesbar und analysierbar sind.
Immer mehr Universitäten erkennen die Vorteile einer Software wie Transkribus und bieten Workshops und Seminare zur Nutzung von Transkribus für die Recherche und Textanalyse an.

MA-Historisches Seminar über Kriegsbriefe. © Andrew Pfannkuche / Nina Janz

Workshops 

Ein solcher Workshop über Transkribus im Klassenzimmer wurde von der Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Universität Basel im Jahr 2019 organisiert. Ziel des Workshops war es, Studierenden auf Bachelor-, Master- und PHD-Stufe zu zeigen, wie sie die digitale Seite der Geschichte erforschen können, ohne über Programmierkenntnisse oder teure Software zu verfügen. Mit dem Transkribus Dürftig und Scan App arbeiteten sie an Manuskripten in deutscher Kurrentschrift aus der Zeit um 1800 und einer gotischen Buchhandschrift aus dem späten 15.

Nina Janz vom Luxemburger Zentrum für zeitgenössische und digitale Geschichte an der Universität Luxemburg organisierte ein Studentenprojekt zum Thema Kriegsbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg. Während der Praktika im Frühjahr 2022 nutzten die Studierenden die Transkribus-Webplattform, um die in Deutsch und Französisch verfassten Briefe zu digitalisieren und zu transkribieren. Durch dieses Projekt konnte Nina Janz den Studierenden digitale Werkzeuge näherbringen und sie darüber hinaus zu einem kritischen Umgang mit Quellen anleiten. Mit dem transkribierten Material, das den Schülern zur Verfügung steht, können sie ihre Recherchefähigkeiten entwickeln und verbessern.

Winter- und Sommerschule 

Ebenfalls im Jahr 2022 organisierte eine Gruppe von Forschern aus Universitäten in ganz Europa und den USA auf Initiative von Jan Odstrčilík vom Institut für Mittelalterstudien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die erste Konferenz der Akademie HTR-Winterschule. Sie richtete sich an Postgraduierte und stand allen offen, die sich für die Erkennung handschriftlicher Texte in mittelalterlichen Handschriften interessieren. Ziel der HTR Winter School war es, den Teilnehmern auf interaktive Weise zu zeigen, wie man Handschriften mit Transkribus digitalisiert und analysiert. Der Kurs selbst wurde in einem hybriden Format abgehalten, das sowohl virtuelle Sitzungen als auch einen persönlichen Workshop umfasste. Das Ergebnis des Workshops? Ihr eigenes öffentliches Texterkennungsmodell für Alte tschechische Handschrift mit Leerzeichen und Alte tschechische Handschrift ohne Leerzeichen.

Im Juli dieses Jahres veranstaltet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Hanseatische und Baltische Geschichte (FGHO) eine Sommerschule zum Thema Digitale Geschichte. Einer der Schwerpunkte des Workshops wird die Verwendung der Texterkennungssoftware Transkribus für historische Texte sein. Da die praktische Erfahrung ein wichtiger Teil des Lernens ist, werden die Teilnehmer der Sommerschule lernen, mit Transkribus an konkretem Material zu arbeiten, um zu verstehen, wie man mit digitalen Werkzeugen in der historischen Forschung arbeitet.

Jan Odstrčilík's Transkribus Tipp

Das Beantworten von Fragen und das Erklären der verschiedenen Bearbeitungs- oder Trainingsmöglichkeiten kann sehr zeitaufwändig sein. Jan Odstrčilík empfiehlt, viel Zeit für den Praxisteil des Workshops einzuplanen, in dem die Schüler und andere Workshop-Teilnehmer die verschiedenen Funktionen von Transkribus ausprobieren können.

Unterrichten des ersten Transkribus-Seminars

Ähnlich wie Jan Odstrčilík hat auch Robert Klugseder, Musikwissenschaftler und langjähriger Transkribus-Anwender und -Workshop-Experte, erkannt, dass die zwei bis drei Workshop-Sitzungen pro Semester einfach nicht ausreichen, um die hohe Nachfrage und die vielen Fragen seiner Studierenden abzudecken. Aus diesem Grund hat er für das Sommersemester 2023 an der Universität Wien das erste Seminar zum Umgang mit Transkribus ins Leben gerufen.

Transkribus Anwenderkonferenz 

Schüler mit Transkribus ansprechen

Die Studenten, die seinen Kurs besuchen, kommen alle aus unterschiedlichen Fachbereichen und sind oft unerfahren im Lesen alter Handschriften, weshalb ihr Interesse an der Verwendung von Transkribus zur Analyse von gedruckten oder handgeschriebenen Texten sehr groß ist. Bei der Vermittlung von Transkribus ist es für Klugseder wichtig, dass die Studierenden einen Aha"-Moment erleben, wie er es nennt. Dieses Aha-Erlebnis, wenn die Schüler einen Text lesen, der ihnen vorher unlesbar erschien, kann sehr fesselnd sein. Und wenn man den Schülern zeigt, wie unleserlicher Text mit Hilfe der Texterkennungsmodelle in lesbaren Text umgewandelt wird, dann motiviert sie das zur Arbeit mit historischen Dokumenten.

Transkribus als Forschungs- und Studieninstrument

In dem Seminar will Klugseder den Studierenden zeigen, wie sie die Texterkennungsmodelle von Transkribus als nützliche Werkzeuge für ihre Forschung und ihr Studium nutzen und trainieren können. Als einmal ein Texterkennungsmodell trainiert wurde, um lateinische Abkürzungen automatisch zu erweitern, hatten die Studenten laut Klugseder das Gefühl, dass Transkribus die Abkürzungen und die Grammatik fast selbst versteht. Natürlich ist die Plattform nicht in der Lage, Sprache auf dieselbe Weise zu verstehen wie ein Mensch - aber das zeigt, wie gut ein gut trainiertes Modell funktionieren kann!

Besonders toll, so Robert Klugseder, ist nicht nur das Texttraining, sondern auch die Möglichkeiten des Layouttrainings. Die Arbeit mit Dokumenten, die nicht nur aus Fließtext, sondern aus verschiedenen Layouts bestehen, kann für Texterkennungsmodelle allein eine Herausforderung darstellen. Er erzählt uns, dass die Verwendung von Transkribus' P2PaLA Layout-Training kann sogar Spaß machen, wenn man mit Schülern daran arbeitet, und mit genügend Trainingsmaterial können die Ergebnisse recht gut werden.

Im Gespräch mit Robert Klugseder räumt er die Bedenken gegenüber KI-gestützten Texterkennungsplattformen ein, glaubt aber fest an die Vorteile von Transkribus. Entgegen den Befürchtungen ersetzt Transkribus die Arbeit menschlicher Forscher nicht, sondern ergänzt sie. Das Wichtigste sei, sich nicht vor der künstlichen Intelligenz zu fürchten, wenn sie richtig eingesetzt wird, sondern sie anzunehmen und anzuerkennen, um nicht Gefahr zu laufen, ins Hintertreffen zu geraten.

New Zealand Alpine Journal Nr. 12 (1922) , über Neuseeländischer Alpenverein

Robert Klugseder's Trankribus-Tipp:

Wenn man Anfängern Transkribus zeigt, ist es am besten, im ersten Schritt keine komplexe Handschrift zu zeigen, sondern gedrucktes Material zu verwenden! Die automatische Transkription von Handschriften wie Kurrent sieht toll aus, aber mit gedrucktem Material, das leichter zu lesen ist, wird die Hürde, mit der Transkription historischer Dokumente zu beginnen, leichter zu überwinden sein.

Wir bei Transkribus haben das pädagogische Potenzial unserer Plattform erkannt, um nicht nur zu transkribieren, sondern auch Transkription zu lehren, und haben daher Folgendes entwickelt Transkribus lernen. Auf der Transkribus-Learn-Plattform können Lehrkräfte Schüler und Menschen, die sich für historische Dokumente interessieren, dazu bringen, das Lesen und Abschreiben von Handschriften zu erlernen oder ihre Fähigkeiten zu verbessern - eine Übung nach der anderen

Transkribus für Studenten 

Aus studentischer Sicht sind Workshops und Vorträge wie die von Robert Klugseder eine gute Möglichkeit, den Umgang mit historischen Dokumenten zu erlernen. Bei Forschungsprojekten hilft Transkribus dabei, die Forschungsziele schnell und präzise zu erreichen.

Transkribieren lernen mit Transkribus

Wie bereits erwähnt, werden Studierende verschiedener Fachrichtungen mit historischen Dokumenten konfrontiert, so dass das Lesen alter Handschriften wie Kurrent oft eine Herausforderung darstellt. Die Verwendung von Transkribus kann bei der Transkription von Material und sogar beim Erlernen des Lesens und Transkribierens selbst nützlich sein.

Robert Klugseder hat in mehreren Fällen erlebt, dass Schüler mit Hilfe von Transkribus recht schnell Kurrent lesen lernen. Durch das genaue Betrachten der Handschrift und den Vergleich mit der korrekten Umschrift lernen die SchülerInnen, wie die verschiedenen Buchstaben geschrieben werden. Das wiederum verbessert ihre Fähigkeit, ähnliche Handschriften selbst zu erkennen und zu entziffern. Klugseder sieht darin eine nicht zu unterschätzende Bildungschance für die Schüler.

Studentische Forschung mit Transkribus

Transkribus ist auch ein wertvolles Instrument für Studenten, die in ihrem Studium und ihrer Forschung schon weiter fortgeschritten sind und oft mit großen Mengen an Material arbeiten müssen. Da es nicht immer möglich ist, dies allein zu tun, können Optionen wie Crowd-Sourcing eine gute Option sein. Dies kostet jedoch Zeit und Geld und ist daher für Doktoranden oder Studierende ohne akademische Finanzierung nicht die beste Option. In solchen Fällen kann Transkribus die Lücke füllen und eine besser erreichbare und effizientere Lösung bieten.

Genau aus diesem Grund hat Jessica Cook Transkribus für ihr Promotionsprojekt über Ada Lovelace. Transkribus ermöglichte es ihr, eine große Anzahl von Manuskripten und Seiten zu verarbeiten und zu analysieren. Durch das Training eines den Anforderungen entsprechenden Modells brachten die Ergebnisse der automatischen Texterkennung das Projekt einen großen Schritt voran. Besonders hilfreich für Jessica Cook war die Suchoption von Transkribus, mit der man in den digitalisierten und transkribierten Dokumenten auf der Plattform nach Stichworten suchen kann. "Durch das Training von KI-Modellen, die einen Großteil der eigentlichen Transkriptionsarbeit übernehmen, kann ich die Stichwortsuche nutzen, um Material zu finden, das für meine unmittelbaren Forschungsziele im Rahmen meiner Dissertation spezifisch ist, anstatt mich auf Vermutungen zu verlassen, wo relevantes Material zu finden sein könnte."

Der Transkribus-Tipp von Jessica Cook 

Transkribus verfügt über eine breite Palette von Ressourcen, wie zum Beispiel die Hilfe-Center um den Nutzern zu helfen, die Plattform zu verstehen und ihre zahlreichen Funktionen optimal zu nutzen. Jessica Cook empfiehlt Neueinsteigern in Transkribus dringend, diese Ressourcen als Ausgangspunkt zu nutzen.

Bibliothek der Universität Wien. © Griffindor / Wikimedia Commons / gemeinfrei

Unterstützung für künftige Forscher

Transkribus hat sich zu einem wertvollen Instrument für die Bildung entwickelt, das einen besseren Zugang zu historischen Dokumenten ermöglicht und die Forschungsmöglichkeiten erweitert. Durch die Digitalisierung und Bewahrung von Manuskripten hat Transkribus den Zugang zu Wissen erleichtert und es mehr Menschen ermöglicht, diese wertvollen Ressourcen zu erforschen. Kooperationen, Workshops, Seminare und ähnliche Initiativen können sowohl Lehrende als auch Lernende weiter befähigen. 

Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft der Forschung in den Händen von Lehrern und Schülern liegt. Deshalb wollen wir sowohl Lehrende als auch Lernende unterstützen und befähigen. Im Rahmen des Transkribus-Stipendienprogramms stellen wir kostenlose Kredite für bestimmte Forschungsprojekte zur Verfügung, um die Erforschung historischer Dokumente zu fördern. Bislang hat Transkribus Stipendien in über 50 Ländern vergeben. Schließen Sie sich Jessica Cook und anderen Forschungsprojekten an und bewerben Sie sich für das Transkribus-Stipendienprogramm auf unserer Website.

Thumbnail Image: Jakob der Palmer. © Wilhelm von Nottingham / Wikimedia Commons / gemeinfrei

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