Erfolgsgeschichte
Veröffentlicht: Vor 1 Jahr

Amsterdamer Notariatsarchiv online zugänglich

Die größte und reichhaltigste Sammlung von Dokumenten, die im Amsterdamer Stadtarchiv aufbewahrt wird, ist zweifelsohne das Notariatsarchiv, das mit dem Jahr 1578 beginnt. Es umfasst über 30.000 Bände und nach 8,6 Millionen Scans ist die Digitalisierung erst auf halbem Wege. Die Erkennung handschriftlicher Texte wäre revolutionär, um den Inhalt zu erschließen. Aber würde sie sich als nützlich erweisen für eine so riesige und vielfältige Sammlung, die Dokumente in allen Formaten enthält, die sich über mehrere Jahrhunderte erstrecken, manchmal durch Feuer oder Wasser beschädigt sind und nicht zuletzt von hunderten verschiedener Hände geschrieben wurden? Transkribus gab uns die Möglichkeit zu wachsen und zu experimentieren. 

Das Bürgerwissenschaftliche Projekt Crowd Leert Computer Lezen auf der Plattform 'VeleHanden' kombinierte die Kräfte der Crowd mit dem HTR-Tooling von Transkribus. Die Freiwilligen lieferten in kürzester Zeit 10.000 Scans von Ground Truth-Transkriptionen. Wir waren dann in der Lage, notarspezifische Modelle zu trainieren (funktioniert für ausgewählte Sets), wir kombinierten Daten in allgemeinen Modellen (sehr zufriedenstellend für Dokumente des 18. Jh.) und kombinierten sie auch mit bestehenden Basismodellen (noch besser!).

Der nächste Schritt war, HTR in großen Mengen zu verarbeiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die ersten paar hunderttausend Seiten sind nun dank der Transkribus Read&Search-Schnittstelle. Auch wenn die HTR bei weitem nicht perfekt ist, offenbaren die erweiterten Suchoptionen für die Fuzzy-Suche mit hoher Toleranz viele Schätze. 

Da Amsterdam ein internationaler Knotenpunkt war (und ist), sind die Ergebnisse des HTR für Wissenschaftler weltweit von Interesse. Innerhalb weniger Stunden entdeckten sie neue Details über eine gemischte und wachsende Bevölkerung in längst verschwundenen Vierteln, Beweise für neue globale Verbindungen, die Herkunft zahlreicher europäischer Gemälde und sogar einen surinamisch-indischen Häuptling, der sich 1682 in einem Amsterdamer Notariat aufhielt.

Die aufsehenerregendste Geschichte aus diesen Archiven betrifft jedoch ein Gemälde des berühmten niederländischen Künstlers Rembrandt van Rijn. Seit Jahren versuchen Wissenschaftler, das Motiv des "Porträts eines Mannes mit ausgestreckten Armen" zu identifizieren, eines Gemäldes, das einen unbekannten Mann zeigt, von dem man bisher annahm, dass es sich um einen niederländischen Seemann oder Admiral handelt. Die Dokumente im Notariatsarchiv deuten jedoch auf eine ganz andere Geschichte hin. In einem Dokument aus dem Jahr 1663 über die Regelung des Nachlasses des Amsterdamer Handwerkers Jacob Wesselsz Wiltingh heißt es, dass "Rembrandt der Maler" eine Geldsumme für das "Malen des Verstorbenen" erhalten hat. Es werden keine weiteren Einzelheiten über dieses Gemälde oder sein Aussehen genannt. Da aber die Motive der meisten Rembrandt-Gemälde bekannt sind, glauben viele führende Wissenschaftler heute, dass es sich bei Wiltingh tatsächlich um den "Mann mit der Waffe in der Hand" handelt, und auch die Kleidung und der Zeitraum würden sicherlich passen. 
Wenn Sie mehr über dieses geheimnisvolle Rembrandt-Gemälde erfahren möchten, können Sie die ganze Geschichte lesen hier erläutert oder besuchen Sie Alle Amsterdamse Akten für weitere historische Geschichten aus dieser herrlichen Stadt.

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